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Hansjürg Gschwend - überzeugter 29er Fahrer aus dem Züricher Unterland

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Il Tracciolino – Singletrail der Superlative – Biken am Abgrund (Beitrag von Gastauthor Hans)

2013-07-04 @ 20:59 in Gastautor Hans

Abenteuerlust, Schwindelfreiheit, Abgebrühtheit, Bikebeherrschung sollten die nötigen Voraussetzungen sein für diese geniale Singletrailtour entlang am Abgrund. Ca. 80% Singletrailanteil.
Nördlich des Comersee oberhalb des Lago di Mezzola findet man den als Geheimtipp gehandelten Il Tracciolino.


Was Kurt da wohl nachdenkt? Ich kann es ahnen. „Heute Morgen stand ich dort unten auf dem Lago di Como noch auf dem Surfbrett bei Super Nordwind“, dem 1. Highlight des Tages, nun folgt schon das 2. Highlight mit dem – Il Tracciolino. Was will man mehr?



Wir starten im kleinen Dörfchen Verceia, das am Lago di Mezzola liegt. Sogleich befinden wir uns im Aufstieg zu dem auf 900MüM liegenden Bahntrasse.



Zuerst auf Asphalt, dann auf Schotter und zuletzt noch ein paar Höhenmeter auf einem Trail. Bis vor kurzem musste man noch die letzten 300Hm das Bike schieben.



Mittlerweile zogen die fleissigen Italiener die Strasse immer weiter nach oben. Wir mussten nur noch wenige Meter vom Bike steigen. Früher oder später wird wohl die Fahrstrasse bis zum Bahntrasse fertig gestellt sein.



Oben angekommen wähnt man sich im falschen Film. Eine Tafel warnt vor „Bahnverkehr“. Die Bahn diente in den 30er Jahren dem Materialtransport für den Bau eines Wasserkraftwerkes.



Im Hintergrund – Lago di Como – vorne Lago di Mezzola
Plötzlich wurden wir an die Tafel von vorhin erinnert. Da kam uns doch tatsächlich eine kleine gelbe Bahn entgegen. Mit staunen lassen wir die Bahn passieren. Also diese Bahnlinie ist doch noch in Betrieb und die Tafel „Bahnverkehr“ hat doch ihre Berechtigung.



Gespannt und trotzdem locker nehmen wir den Tracciolino in Angriff. Praktisch waagrecht führt uns dieser Weg durch Schluchten und Tunnels weit ins Tal hinein. Ca. 8km.

Die ersten 2km sind recht breit und wir können die tolle Aussicht auf den Lago di Como und Lago di Mezzola sogar während der Fahrt in vollen Zügen geniessen.

Wir stehen vor einem Tunnel, der rechts in den Berg hinein zeigt. Am Eingang des Tunnels befindet sich ein Lichtschalter, trotzdem sind wir froh über den Scheinwerfer am Bike von Kurt,  um kurz darauf im spürbar kälteren Dunkel des Berges einzutauchen.



Danach beginnt es noch spannender zu werden. Fertig mit den breiten Wegen und Schienen. Der Trail wird immer enger, die Tunnels zahlreicher. Insgesamt 22 davon soll es hier haben. Auch die Felswände über und unter uns scheinen immer senkrechter zu werden. Nun ist volle Konzentration gefragt. Fahrfehler sind nicht erlaubt, Stürze könnten Fatale Folgen haben. Der Trail, nur gesichert mit 2 „Pseudo“ Seilen vor einem unendlich scheinenden Abgrund.



Fast am Ende des Trails. Blick ins Val Codera hinein – links unten das Dörfchen Codera



Zum Glück ist der Trail an und für sich nicht Anspruchsvoll zu fahren. Man hat genug zu tun um schön konzentriert der Spur zu folgen.



Immer wieder mussten wir unsere Fahrt unterbrechen um die wunderschöne Naturlandschaft und dieses Meisterwerk „Tracciolino“ unserer Vorfahren
zu bestaunen.



Landschaftlich ist ein Vergleich mit der Val Duina im Engadin erlaubt, nur der Ausblick hier ist noch schöner und die Trails praktisch 100% fahrbar.



Nach gut einer Stunde Fahrzeit verhindert uns ein Felssturz die Weiterfahrt. Aber das hatten wir schon im Vorfeld recherchiert, waren also nicht Überrascht.



Bis hier und nicht weiter. Ende –Aus –Schluss. Wer hier weiter will, muss die Kletterseile hervornehmen. Hier war einmal ein Weg………



Die unendlichen Trails…..die Bikerherzen höher schlagen lässt. Wir befinden uns in einer anderen Welt. Einfach abschalten und geniessen.


Nach einer Rast und dem Ausblick auf das schöne Dörfchen Codera und die umliegenden Berge machen wir uns auf gleichem Weg auf  auf die Rückfahrt.



Das Val Codera ist ein Tal in der Provinz Sondrio,  in der Gemeinde Novate Mezzola. Das Val Codera grenzt an das Val Bondasca und das Val Masino. Es ist nur zu Fuß oder mit dem Hubschrauber zu erreichen (es gibt keine Straßen für andere Transportmittel). Im Tal liegt das kleine Dorf Codera. Durch das Tal fließt der Bach Codera, der anschließend in den Lago di Mezzola mündet.



Nach unzähligen eindrücken erreichen wir nach über 2 Stunden Trailsurfen wieder den Bahnhof am Ausgangspunkt.



Nun folgt zum Dessert noch ein Super downhill

Ab hier kann man aus 2 Varianten hinunter nach Verceia wählen:

1.    Variante: Der Strasse entlang (Eher langweilige Abfahrt)
2.    Variante: Den Wanderweg oder eben den Trail hinunter rocken.



Für uns kommt natürlich nur Variante 2 in Frage. In der Ungewissheit was da auf uns zukommt, tauchen wir in den ersten downhill ein. Unzählige male Überqueren wir die Strasse um gleich wieder den nächsten „Mulattiera“ zu bezwingen. Dieser downhill fordert uns bis aufs Letzte. Verblockte Stellen wechseln ab mit hohen Stufen und engen Serpentinen. Zwischendurch aber auch mal ein paar flowige Passagen. Wer hier ohne einmal absteigen runterkommt, kann von sich behaupten, er habe sein Bike und die Technik im Griff. Kurt ist einer dieser Sorte Biker. Chapeau, Kurt, eindrucksvoll was Du auf diesem downhill gezeigt hast. (Siehe auch Videoclip vom Tracciolino – nicht von uns)
Mit einem grossen Smile im Gesicht erreichen wir den Ausgangspunkt Verceia. Diese immensen Eindrücke auf nur 26km brauchen wohl noch ein paar Tage um verarbeitet zu werden.

Kondition: ****
Technik: *****    
Erlebnis: ******   
Landschaft: *****   

Videoclip vom Tracciolino:
http://www.youtube.com/watch?v=IKBAQE1fm6I

Weitere Berichte, Fotos und gpx Datei download:
http://www.outdooractive.com/de/mountainbike/sondrio/il-tracciolino/1535270/#axzz2WH3kmeZE

Kommentare

[antworten]

Ja, der Trail soll super sein. Das habe ich schon mehrmals gehört. Ich hoffe, dass ich auch mal in diese Gegend komme. Übrigens gibt es einen Weg runter und wieder hoch nach Codero. Für all jene, die das spezielle Dorf besuchen möchten. Der Trail soll mit dem Bike aber sehr anspruchsvoll sein. Danke Hans für den tollen Beitrag.
geschrieben von rotscher @ 22:22, 2013-07-04