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Hansjürg Gschwend - überzeugter 29er Fahrer aus dem Züricher Unterland

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Wohlfühl-Härte in Südfrankreich

2012-07-01 @ 16:35 in strecken/touren

Es gibt eine Zeit, in der man seinen klimagekühlt-verwöhnten Hintern auf den kargen Velosattel schwingt.

Statt auf Teppichgang in der Businessklasse  bewegt man sich über harte, steinübersähte Wege. Keine stöckelbeschuhte Stewardess serviert hier ein Angus-Steak.



Das Steak könnte man zwar problemlos grillieren. Man bräuchte es wahrscheinlich bloss auf einen Stein zu legen, denn es ist so heiss wie in einer finnischen Sauna die gerade auf Weltmeisterschafts-Temperatur gebracht wird. Die Gegend hier verwöhnt uns nämlich mit dem was hier neben den unzählbar vielen flowigen Trails in unverschämt verschwenderischen Überfluss vorhanden ist – der Sonne.

Willkommen in Südfrankreich, im Bike-Paradies !


Wir haben uns wie blöd auf die zwei Wochen hier gefreut. Wir treffen hier nämlich auch wieder Menschen die hier schon letztes Jahr ihre Ferien-Wohlfühlzeit mit uns geteilt haben. Die Gefühle, Bilder und Gerüche vermischen sich damit zu einem stetigen Strom, welcher jede einzelne Zelle wieder mit Energie flutet. Was für ein tolles Gefühl, wenn man es so gut hat! Danke!

Anstatt  dem Steak,t kramen wir unser einfaches Baguette-Sandwiches aus dem Rucksack hervor. Die Luft ist heiss, doch in Kürze wird uns der nächste schattige Trail wieder in sich aufnehmen.

Unser Bike Guide Stefan zeigt uns die „angebrochenen“ Stollen seines Nobby Nic. Der liebe Gott hat dieses Gebiet nämlich als Testgelände für Reifen und Dämpfer vorgesehen. Unglaublich wie der Gummi auf den flowigen Strecken von allen Seiten massiert wird.


Die Trails haben hier Namen wie Weihnachts- Bier oder Wellnesstrail. Der erstgenannte wurde z.B. an Weihnachten geschnitten, beim anderen gibt’s vom Guide ein Bier wenn man ohne abzustehen durchfahren kann. Beim dritten fährt man an einem Wildsauen-Schlammbad vorbei.

Das Wildsauen Bad ist tagsüber glücklicherweise von keinem der borstigen Gäste besucht. Diese landen abends höchstens zusammen mit anderen regionalen Köstlichkeiten auf dem Teller, den Dominik der Koch des Domaine du Frigoulet jeweils liebevoll zubereitet. Zusammen mit einem Glässchen Französischen Wein,jeweils ein perfekter Ausklang eines Bike-, Wander-,Faulenz- oder Entdeckertages.

 

Bis es soweit ist, lassen wir noch einmal die Sau auf dem Trail raus. Da nimmt 'Mann' im Rausche der Bike-Wollust schon einmal eine nachhaltige Bodenprobe auf.

Muttis begeben sich gemäss meinen Studien bei Kontrollverlust eher in die Obhut eines Busches am Wegesrand. Diese scheinbar wattierte Version der absoluten Naturnähe täuscht jedoch. Die meisten Vertreter dieser Gewächse schützen sich nämlich durch allerlei Arten von Stacheln und Dornen.

Glück hat, wenn es sich dabei vielleicht ja „nur“ um eine Steineiche handelt. Die Blätter dieser Gattung piksen anscheinend auch ziemlich, das zeitraubende entfernen einzelner Stacheln aus der Lycra-Wäsche entfällt jedoch.



Sicher ist, dass die Teilnahme an einer Miss(ter)-Wahl für die nächste Zeit gestrichen ist. Einerseits sieht so eine Velofahrer Bräune einfach nur Scheisse aus, andererseits werden Beine und Arme auch bei den Sattelfesten durch die regionale Fauna ausnahmslos Hardcore-gepeelt. Hier dominiert eben Wohlfühl-Härte.

Nach der Ankunft im Hotel führt der Weg an den Hochleistungs-Chillenden, backsteingrosse Bücher-lesenden anderen Gästen vorbei, zu Dusche, Sprudelbad und Pool. Mit der Literatur haben wir’s allerdings hier unten nur indirekt. Mit dem Gerede den ganzen Tag könnte man zwar problemlos mehrere solcher kiloschweren Wälzer füllen und durch die vielen neuen Wortschöpfungen die ich gelernt habe, wären diese zweifellos höchst vergnüglich zu lesen.

Am Pool werden unsere überhitzen Körper wieder locker und die freigesetzten Hormone langsam wieder abgebaut.  Ein Schub derselben ist höchstens dann wieder zu erwarten wenn der Föhn wieder so furchtbar laut und lange läuft …. doch das ist ein Insider und schwierig zu erklären, also lasse ich’s bleiben und stell das Kopfkino wieder ab Wink.


 

Glücklich, zufrieden und begleitet mit der Musik der Zikaden im Ohr, lassen wir uns am Ende eines solchen Tages ins Reich der Träume hinübergleiten.  Wir werden wiederkommen.

Kommentare

[antworten]

Sehr schöner Beitrag! Da kann ich fast den herrlichen Lavendelduft riechen. Übrigens auch hübsche Fotos ;) (näheres muss ich ja nicht erklären). Ihr habt es sicher sehr genossen. Scheint wirklich ein Paradies zu sein. Aber irgend wann kehrt wieder der Alltag ein. Dafür freut man sich auf das nächste Mal.
geschrieben von rotscher @ 23:29, 2012-07-01

Lavendelduft [antworten]

Lieber vazifar, voller sehnsucht habe ich auf deinen kommentar und die bezaubernden photos vom " frigi" gewartet. Keine 24 stunden nach unserer rückkehr aus diesem paradies kann ich nun schon wieder in berührenden erinnerungen schwelgen. Wir durften viel lachen, fröhliche stunden miteinander verbringen, uns sportlich durch die fantastische schönheit dieses landes bewegen. Abends liessen wir den tag mit einem köstlichen süsswein ausklingen, und mit einem lächeln schliefen wir jeweils ein, in dem bewusstsein, dass wir morgens wieder im paradies aufwachen werden. Wir freuen uns heute schon wieder auf eine fortsetzung im nächsten jahr... Selber ort, selbe zeit in unserem geliebten " frigi". Dir lieber vazifar herzlichen dank für diesen gelungenen querschnitt durch unvergessliche tage. Denise ( Hintername) Mühlegg
geschrieben von Denise Mühlegg @ 00:28, 2012-07-02

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Ganz ganz toller Bericht. Du bist ja ein richtiges Talent, was poetisches Schreiben angeht. Sehr toll!
geschrieben von Chregu @ 07:38, 2012-07-02

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Ein wirklich schöner Bericht, der Lust macht, endlich den Sommer zu genießen und den Alltag mal wieder ein Weilchen hinter sich zu lassen....:)
geschrieben von Tania Kappeen @ 13:43, 2012-07-02

Wunderbar [antworten]

Man hat das Gefühl, die Grillen zirpen im Hintergrund, wenn sich die Sonne langsam mit einem purpurnen Schweif vom grandiosen Tag verabschiedet.
geschrieben von Andreas @ 21:57, 2012-07-08

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Ein sehr schöner, spezieller Bericht gespickt mit vielen feinen Insidern und doch für alle verständlich geschrieben. Super ! Für alle die dabei waren, es waren 2 geniale Wochen in einer genialen Gegend mit lieben Freunden die einem ans Herz gewachsen sind. Ich sage einfach nur DANKE und freue mich auf die Wiederholung :))
geschrieben von Liliane @ 13:29, 2012-07-09

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Die Worte mit Bedacht gewählt führt uns der Schreiber Vazifar dahin wo er sich täglich quält beschreibt und zeigt wie’s wirklich war. Als Leser, im Geiste mit dabei entdecke ich in mir den Keim möcht mitfahren auf seinem Rad allein es fehlt der Reim. Ich blend zurück 250 Jahr frag mich von Neugier getrieben wie hätte Goethe wohl was kürzlich war beschrieben. Der Tag schläft noch, der Hahn nicht mehr sein Ruf weckt unsere Glieder den Schlaf beenden fällt noch schwer auf die Draisine (Fahrrad) geht’s heut wieder. Gereinigt der Körper, die Zähne frisch Morpheus ist abgelegt trifft man sich so dann zum Morgen Tisch den Gaumen auch gepflegt. Der Bauch gefüllt, der Teller leer rufen der Trails gar viele es ist noch früh, die Beine schwer der Weg wird hier zum Ziele. Die Sonn ist wach, jetzt schläft der Hahn das Federvieh hat‘s gut und draußen wird es richtig heiß unter der Sonne Glut. Gehauen mit des Försters Beil Wege mit seltsamen Namen Hasen, Wellness, Weihnachts- Trail wie die zum Namen kamen? Der Trail, er liegt versteckt im Wald dort tut der Schatten gut wie anders ist doch der Asphalt heiß, wie der Hölle Glut Der letzte Trail heißt Feierabend bringt uns zurück mit letzter Kraft dem Guide noch einmal Danke sagend gibt’s einen „KIWI“ Saft. Der Schweiß vom Tag, er ist Geschichte die Wunden repariert sitzt man beisammen und berichte jetzt wird rekapituliert. Die Sonne schläft, der Hahn jetzt auch nun tummelt sich der Magen aus Küche und Keller, so ist’s der Brauch wird jetzt aufgetragen. Geschunden die Haut, gebrochen die Glieder dafür die Seelen heil im nächsten Jahr, da komm‘n wir wieder denn es war Affengeil.
geschrieben von Hansruedi Mühlegg @ 21:39, 2012-07-17

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Wahnsinn - So Guet! Danke Hansruedi! Du bist ab sofort als Gastautor Engagiert *daumen*
geschrieben von Vazifar @ 20:17, 2012-07-19